26. April 2015

"good job" beim London Marathon und dritter Deutscher

Mit meinem Leichtathletik Vereinskameraden Christoph Burandt starte ich das Projekt London Marathon bereits im September 2014 mit der Planung. Der London Marathon zählt zur World Major Marathon Serie, was mit dem Grand Slam im Tennis zu vergleichen ist. Die Teilnahme an diesem Event ist jährlich nur etwas 320 deutschen Läuferinnen und Läufer möglich. Der Veranstalter vergibt nur zehn Prozent der Startplätze an Nicht-Briten und sorgt somit für eine nationale Veranstaltung, bei der der Charity Gedanke im Vordergrund steht. Da es sehr schwierig ist, eine Startnummer direkt vom Veranstalter zu bekommen, haben wir eine Reise mit garantiertem Startplatz bei der Reiseagentur interair gebucht.
Gut vorbereitet und mit großer Vorfreude reisen wir am Freitag in die Metropole an der Themse. Abends erhalten Christoph und ich bei einer Infoveranstaltung der Reiseagentur wichtige Informationen zum Ablauf der Megaveranstaltung. Zur Überraschung stellt sich die deutsche Marathon Rekordhalterin Irina Mikitenko als sportliche Begleitperson vor. Nach dem Briefing unterhalten wir uns gleich noch mit der sympathischen Irina. Dabei stellt sich heraus, dass Irina bei dem Lockerungslauf am Samstagmorgen mit dabei sein wird. Eigentlich will ich an diesem Läufchen nicht teilnehmen, denn ich habe ja Zuhause trainiert. Aber wenn man schon mit einer Weltrekordlerin zusammen joggen kann, ändere ich auch mal meine Meinung. Irina Mikitenko, die zweifache London Siegerin, zeigt sich auch ganz ohne Berührungsängste und gibt wertvolle Tipps. Zum einen meint sie, am Sonntag die ersten 15 Kilometer auf der fallenden Strecke nicht zu schnell anzugehen.  London_1Nach dem Frühstück am Samstagmorgen nehmen wir noch an der Stadtrundfahrt teil. Hier bekommen wir die wichtigsten touristischen Ziele vor Gesicht. Der Bus bringt uns dann im Anschluss zur Expo, wo wir unsere Startunterlagen abholen. Auf der Messe basteln wir uns auch noch Namensschilder, denn die Startnummern sind ohne Vornamen, was man bei dem Preis eigentlich schon erwarten könnte. Uli Sauer, einer der Reiseleiter, der den London Marathon zum sechzehnten mal finishte, hat uns geraten, mit Namensschild zu laufen. Den Rückweg von der Messe zum Hotel am Hyde Park nutzen wir nochmals zum Sightseeing. Schon früh um 6:50 Uhr startet der Reisebus für die Teilnehmer der interair Reisegruppe in Richtung Greenwich zum Startbereich. An diesem Morgen wird das typische englische Wetter seinem Ruf gerecht und präsentiert sich kühl und regnerisch. Als der Reisebus am Startbereich ankommt, will zunächst keiner aussteigen, so einladend ist das Wetter zu diesem Zeitpunkt. Zwei Stunden müssen Christoph und ich bis zum Startschuss wartend überbrücken. Die meiste Zeit davon hocken wir in einem Zelt wie Hühner auf dem Boden. Alles andere als eine perfekte Vorbereitung zu einem 42,2 Kilometer-Rennen.
Pünktlich um 10.10 Uhr erfolgt der Startschuss, auf den wir wochenlang trainiert haben. Das Wetter bessert sich zwischenzeitlich und es stellen sich ideale Laufbedingungen ein. Vom Start weg herrscht eine einmalige Atmosphäre an der Strecke. Ich werde von Beginn an sehr oft beim Namen gerufen, das motiviert natürlich. Ich merke schnell, dass es heute gut bei mir läuft, die ersten fünf Kilometer spule ich in genau 20 Minuten runter. Von den Zuschauern bekomme ich immer wieder ein „Alex, good job“ zu hören. Die Strecke fällt immer noch und ich denke an Irinas Worte, nicht zu Überpacen. Ich lasse die Beine einfach laufen, wie das Wasser flussabwärts. Die nächsten fünf Kilometer piepen nach 19:45 Minuten auf der Garmin. Die Strecke fällt immer noch und die Zuschauer lassen auch nicht nach mit Anfeuerungen, „Alex, go go“ immer wieder. Kilometer 15 nach 59:38 Minuten passiert und mein polnischer Freund Rafal folgt mir auf Schritt und Tritt. Der Pole hat mich schon im Startblock angesprochen und will mir folgen, da er eine ähnliche Zielzeit im Kopf hat. Die Strecke verliert auf den ersten 15 Kilometern genau 89 Höhenmeter und gesamt 137 Metern an Höhe. Also von den Zahlen her eine schnelle Marathonstrecke, ich kann mich nur an einen kurzen giftigen Anstieg bei Kilometer 36,5 erinnern.
Der absolute Zuschauer Hotspot ist die Tower Bridge bei Kilometer 20, hier drängen sich die Zuschauer auf der Brücke und machen einen Höllenkrach. Anschließend biegt man rechts ab und folgt einer 14 km langen Schleife durch die Docklands. Hier können die Läufer die Elitegruppe im Begegnungsverkehr erspähen, ich leider noch nicht. Die Halbmarathonmarke passiere ich nach 1:23:51 Stunden, also unwesentlich langsamer als beim Halbmarathon in Berlin vier Wochen zuvor. Jetzt muss ich das Tempo etwas rausnehmen, ich bekomme leichtes Stechen im unteren Bauchbereich. Ich hänge mich hinter zwei Engländer, dich noch sehr locker wirken. Ich versuche, durch unterschiedliche Atemtechniken das Stechen wegzubekommen. Mein Tempo leidet daher ein wenig unter diesen Übungen und der schlechteste Split ist 20:33 Minuten auf dem Abschnitt zwischen Kilometer 25 und 30. Bei Kilometer 35 erreiche ich wieder das Stück mit dem Begegnungsverkehr, nur auf der anderen Seite. Jetzt geht es hinter dem Tower of London entlang, ich bin jetzt leicht Marathon „doof“, was man mir wohl auch ansieht. London_2Denn hier steht ein Jugendlicher an der Strecke und ruft mir zu „Alex, dont´t tear“. Ich denke mir, wie witzig, weinen werde ich jetzt bestimmt nicht. Die letzten sechs Kilometer führen an der Themse entlang in Richtung Big Ben. Von dort geht es rechts ab am St. James Park entlang. Die Zuschauermassen drängen sich hier in mehreren Reihen und bei den Anfeuerungen kann man auch wieder „good job“ hören. Ich passiere das „only 800m to finish“ Schild und denke mir, das packst du in drei Minuten, dann klappt es noch sub 2:50. Nochmal alles mobilisieren, den Laufschritt kontrollieren und dabei Läufer überholen. „Ohne Tränen“ dennoch von 42,2 Kilometern gezeichnet, finishe ich auf der Zielgerade am Buckingham Palace. Ich überquere die Ziellinie nach 2:49:46 Stunden und belege damit den 753. Platz unter 37.500 Teilnehmern. Ganz besonders freut es mich als Dritter Deutscher das Ziel erreicht zu haben. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, zumal ich nach langer Verletzungspause erst seit Dezember wieder trainieren kann. Nach kurzer Zeit treffe ich wieder den Polen im Zielbereich. Er hat auf mich noch 10 Minuten verloren und fand dafür anerkennende Worte. Eine der ersten Gratulanten war die deutsche Rekordhalterin Irina Mikitenko, sie nahm mich im Ziel gleich in den Arm.Es war ein einmaliges Erlebnis und hat die Stimmung an der Strecke in New York übertroffen. Das hätten Christoph und ich so nicht erwartet. Eigentlich sollte man so eine Atmosphäre an der Strecke besser genießen und viel langsamer laufen, aber dazu bin ich zu ehrgeizig

www.42komma2.de -Faszination Marathon-

Chicago 2016

Chicago Marathon 2016 (Zeit 2:49:19)

Foto: Isaak Papadopoulos

Zitate


„Das Gefühl, wenn man nach einem Lauf auf dem Sofa sitzt, ist immer besser als das Gefühl,
auf dem Sofa zu sitzen und sich vorzustellen, man wäre gelaufen.“

Puff Daddy (Rapper, Musikproduzent, Marathonläufer)