18. September 2013

Roßzahnscharte in Rekordzeit

Donnerstag 12. September

Auf in die vierte und letzte Woche! Heute Früh hat es Temperaturen um den Gefrierpunkt, was mich aber nicht vom Lauf ABC auf dem Schotterweg oberhalb des Hotels abhält. Danach laufe ich nur 4km, denn der TDL steckt noch irgendwie in meinen Knochen. Dagegen hilft nur ein schöner Mittagsschlaf und etwas Krafttraining im Fitnessraum. Am Nachmittag mache ich den James-Kwambai-Track unten in Saltria kombiniert mit dem Martin-Lel-Track. Es läuft heute wirklich gut, die 25km mit den immerhin 1000 Höhenmetern mache ich mit einer 5:36er Pace bei einem 130er Durchnittspuls. Die Zeit reicht noch für Sauna mit Entspannung und auch noch kurz in den Whirlpool. Zum Abendessen gibt es Hirsch mit Polenta. So eine Polenta ist schon was gewöhnungsbedürftiges.

Freitag 13. September

Heute wird länger geschlafen, denn es steht der Lange Lauf am Nachmittag an. Die zweite Kofelmassiv Umrundung werde ich gegen den Uhrzeigersinn machen. Der Einstieg in die Runde ist wieder die Plattkofelhütte, die ich über den Palatschgrat erreiche. Dort oben mache ich einen kleinen Stopp und ziehe Mütze und Handschuhe an. Ab hier hat es auch teilweise leichten Graupelschauer. Jetzt geht es natürlich an den Stellen runter, wo es vor 14 Tagen hoch gegangen ist. Zu Beginn kommt es mir vor, als wäre die Runde in dieser Laufrichtung einfacher. Das stellt sich dann an der einen Steigung nach 22km als Irrtum heraus. Mann, geht es hier steil hoch. Da werde ich doch glatt zum Wandersmann, aber singen tue ich dabei noch nicht. Leider habe ich in der nördlichen Langkofelscharte wieder einen Sturz. Auf dem losen Geröll komme ich mit beiden Füßen ins Rutschen und Rums legt es mich auf die linke Seite. Meine linke Hand muß wieder das ganze Gewicht auffangen und quittiert das anschließend mit einem leichten Schmerz. Nichtsdesotrotz trinke ich an der Zallinger Hütte ein alkoholfreies Weizen. Dann breche ich zu den letzten 8 Kilometern des Tages auf. Am Hotel angekommen stehen 33km und 1600 Höhenmeter auf der Uhr. Beim Abendessen bekomme ich heute eine extra große Portion vom Truthahn Rollbraten

Samstag 14. September

Das Frühstück muß heute sehr leicht ausfallen, denn ich habe mich wieder mit Manfred zu einem Lauf verabredet. Wir wollen heute eine kleine Runde machen und laufen zu seiner Hütte am Spitzbühl rüber. Nach einer kurzen Besichtigung der urigen Hütte kommen wir beide auf die Idee, auf die andere Seite der Schlucht zu laufen. Gesagt getan, und nach 30 Minuten stehen wir an der Schlernbödele Hütte. Dort ist eine Gedenkstätte für die Verunglückten in diesem Gebiet. Manfred erzählt mir dabei eine Geschichte aus dem Jahre 1979. Damals fand Manfreds Vater zwei Wanderer am Spitzbühl, die in die Schlucht tödlich abgestürzt sind. Aus der kleinen Runde sind dann 22km mit 1100 Höhenmetern geworden, aber es machte einfach einen riesen Spaß zu zweit zu laufen. Nach dem Duschen lasse ich mir von Max Spaghetti Carbonara servieren. Danach war der Mittagsschlaf ganz besonders erholsam. Den Nachmittag runde ich mit ein wenig Gymnastik und dann noch fünf Bergsprints ab. Mein Wellness Programm ist mittlerweile schon zur Gewohnheit geworden.

Sonntag 15. September

Das Handy weckt um 7 Uhr, aber heute bleib ich liegen. Man muß auch mal der angeborenen Faulheit nachgeben. Ohne Frühsport schmeckt das Rührei auch ganz ausgezeichnet. Heute reisen die beiden aus Würzburg ab. Am liebsten würde ich mitfahren und mich in Ulm absetzten lassen. Langsam bekomme ich Heimweh. Einen Mittagsschlaf brauche ich heute nicht, mache aber Krafttraining im Keller. Für die Schlern Runde ist das Wetter heute zu schlecht. Die Wolken hängen ganz tief und die Sicht ist schlecht. Darum bin ich etwas neugierig und laufe zum Hotel Icaro, wo das ZDF die Herbstshow vorbereitet. Ein paar der ZDF Mitarbeiter sind mir bekannt, weil sie auch im gleichen Hotel wie ich übernachten. Auf meiner weiteren Laufrunde entdecke ich noch ein Kamerateam bei der Sanon Hütte, das eine Band in action filmt. Ich mache einen kurzen Stopp und höre mir den Song an. Im Hotel zurück entspanne ich in der Sauna und haue mich in den Whirlpool. Nach dem Abendessen unterhalte ich mich mit der Urlaubsbekanntschaft aus Schwerin.

Montag 16. September

Diesen Morgen wieder Frühsport mit Lauf ABC und einer Runde runter bis Compatsch zur Touristik Info. Dort kann ich meine Karte für die Aufzeichnung der ZDF Herbstshow abholen. Dann wieder auf der Fahrstraße zurück zum Hotel, so sind es am frühen Morgen schon über 9 km. Heute ist gutes Wetter, besser als vorhergesagt. Das muß ich nutzen und zum Schlern hochstürmen. Nach dem Mittagsschlaf breche ich auf, ein Lauf gegen die Uhr. Meine Tochter möchte wissen, wie lange ich bis zur Tierser Alpl im Laufschritt brauche. Für die Wanderung zu den Rosszähnen hoch hatten wir gemeinsam 2,5 Stunden benötigt. Es sind zwar nur gute 4 km aber eben mit 500 Höhenmetern drin. Bis zu den ersten Serpentinen sind schon 18 Minuten vergangen. Beim Blick nach oben bekomme ich Zweifel, ob ich die Strecke in 40 Minuten schaffen kann. Ich nehme Kehre für Kehre und arbeite mich im Laufschritt den Berg hoch. An den ganz steilen Stellen zerreißt es mich fast und ich gehe in den Walkingschritt über. Nach knapp 32 Minuten habe ich den höchsten Punkt auf 2509 Metern passiert. Jetzt kommt nur noch ein kurzer Ziehweg, den ich Vollepulle rüberzieh. Nach 35 Minuten und 40 Sekunden stehe ich an der Schutzhütte Tierser Alpl, wow! Hier mal kurz Luftholen und die Kapuzenjacke angezogen, geht es weiter zu den Schlernhäusern, noch mal 42 Minuten. Auf diesem Weg treffe ich zwei Wandergruppen aus meinem Hotel. Ich stoppe kurz und wir wechseln ein paar Worte. In der Schutzhütte gibt es für mich ein alkfreies Weizen und ich treffe dort noch mal Leute vom Hotel. Den Abstieg über den Touristensteig mache ich kein Wettrennen, denn ich will nicht stürzen. Gegen Ende werde ich dann auch noch naß, das Wetter hat sich rasch verschlechtert. Für die ganze Runde mit 20 km und 1400 Höhenmetern benötige ich 2:35 Stunden reine Laufzeit.

Rosszahnscharte

Foto: Roßzahnscharte mit Serpentinen

Dienstag 17. September

Heute kann ich mit wirklich gutem Gewissen den Frühsport sausen lassen. Denn gestern habe ich die 600 Laufkilometer hier auf der Seiser Alm geknackt. Diese Marke hatte ich mir für den 28-tägigen Aufenthalt vorgenommen. Nach dem gemütlichen Frühstück und einem Plausch mit einigen Gästen gehe ich auf mein Zimmer und arbeite noch ein wenig am Laptop. Eigentlich habe ich eine Karte für die TV-Aufzeichnung der ZDF Herbstshow. Mir ist es aber für zwei Stunden im Freien sitzen zu kalt. Für den Mittagsschlaf bleibt auch Zeit und dannach mache ich noch etwas Gymnastik nach der Anleitung von Viktor Röthlin. Bereits so aufgewärmt läuft sich die Runde zur Sattler Schwaige auf dem Kiesweg fast von selbst. Diese 8km Runde bin ich mittlerweile unzählige Male gelaufen, finde sie aber immernoch ganz okay. Nach dem lockeren Läufchen schwitze ich noch eine Runde in der Sauna und entspanne mich im Ruheraum. Vor dem Abendessen beginne ich den Koffer zu packen. Mein letztes Abendessen im Hotel schmeckt mit der Vorfreude vorzüglich. Ich freue mich wirklich auf Zuhause.

Mittwoch 18. September

Das letzte mal Lauf ABC und wie könnte es anders sein, die Runde zur Sattler Schwaige. Noch einmal der Blick auf die Roßzahnscharte und auf dem Rückweg auf den Ortler. Ich frage mich, wann ich diesen Blick wieder genießen darf. Beim Frühstück gibt es immer mehr Kommunikation mit den anderen Gästen. Ich werde zum Thema "Wohnen in Ulm" befragt. Die Rechnung ist auch schon fertig und wird bezahlt. Der Juniorchef Alex bringt mich samt Gepäck zur Seilbahn. Ich gebe ihm auf der kurzen Fahrt noch ein Feedback zu seinem Hotel. Mit dem Bus fahre ich dann von Seis nach Brixen zum Bahnhof. Dort kommt der Zug nach München auch pünktlich und ich habe eine nette Nebensitzerin. Leider bringen Sie bei dem Zug in München eine Tür nicht zu, sodass ich eine andere Verbindung nehmen muß. So schleppe ich halt nochmal das ganze Gepäck über den Bahnsteig und komme dann in Ulm verspätet an. Letztendlich komme ich in Laupheim eine Stunde später an und werde von meiner Frau empfangen. Wir fahren gleich zu meiner Mutter, die heute Geburtstag hat. Zuhause wartet dann sehnsüchtig meine Tochter Kathleen und weiß mir ganz viel zu berichten. Ich bin froh endlich Daheim zu sein. Das Fazit zu meinem Aufenthalt in der Höhe lautet: Gesund nach Hause gekommen und ordentlich Kilometer gemacht! Hier die Details: 625 Laufkilometer in 46 Laufeinheiten und 60 Trainingsstunden, 24.000 Höhenmeter, 17x Lauf ABC, 4x Krafttraining, 4x Gymnastik, 2x Bergsprints und 2 Stürze. Und jetzt muß ich mich erstmal von den vielen Kilometern aktiv erholen.

www.42komma2.de -Faszination Marathon-

Chicago 2016

Chicago Marathon 2016 (Zeit 2:49:19)

Foto: Isaak Papadopoulos

Zitate


„Für einen Marathon zu trainieren ist schwer.
Noch schwieriger ist es, nicht für einen Marathon trainieren zu können.“

Viktor Röthlin (schweizerischer Marathon-Europameister 2010)